Hintergrund
Die Geschichte der Pizza — vom Fladenbrot zum Weltgericht
Von den belegten Broten der Antike über das Neapel des 18. Jahrhunderts bis zur UNESCO: Wie aus einem Arme-Leute-Essen eines der beliebtesten Gerichte der Welt wurde.
Von Philip ·

Pizza wirkt heute so selbstverständlich, dass man leicht vergisst, wie lang ihr Weg war. Was als belegtes Fladenbrot begann, ist über Jahrhunderte zu einem Gericht geworden, das man auf jedem Kontinent kennt — und dessen Ursprung sich erstaunlich genau in einer einzigen Stadt festmachen lässt.
Die Vorläufer in der Antike
Schon die alten Ägypter, Griechen und Römer buken flache Brote und belegten sie mit dem, was zur Hand war: Öl, Kräutern, Käse. Diese einfachen Fladen gelten als die frühen Vorläufer der Pizza. Mit der Pizza, wie wir sie heute verstehen, haben sie noch wenig zu tun — aber das Prinzip ist dasselbe: ein dünnes Brot als Träger für einen herzhaften Belag.
Neapel, 18. Jahrhundert
Die eigentliche Geburtsstätte der modernen Pizza ist Neapel. Im 18. Jahrhundert entwickelte sich dort aus den einfachen Fladenbroten ein günstiges Gericht für die arbeitende Bevölkerung. Belegt wurde damals mit dem, was billig war — Schmalz, Knoblauch, Kräuter, Käse — und verkauft wurde direkt auf der Straße.
Pizza war also von Anfang an ein Essen für alle, nicht für die feine Küche. Diese Herkunft als schnelles, bezahlbares Straßengericht hat ihren Charakter bis heute geprägt.
Wie die Tomate alles veränderte
Den größten Einschnitt brachte eine Zutat aus Südamerika: die Tomate. Sie kam im 16. Jahrhundert nach Europa, galt dort zunächst aber nur als Zierpflanze und wurde sogar für giftig gehalten. Erst im 18. Jahrhundert begann man in Neapel, Tomaten als Belag zu verwenden.
Damit entstand die klassische Pizza, wie wir sie heute kennen — die Verbindung von Teig und Tomate, die für die meisten Menschen bis heute der Inbegriff von Pizza ist.
1889: Die Pizza Margherita
Ihren wohl bekanntesten Vertreter erhielt die Pizza im Jahr 1889. Der neapolitanische Pizzabäcker Raffaele Esposito soll für Königin Margherita von Savoyen eine Pizza mit Tomaten, Mozzarella und Basilikum gebacken haben.
Rot, Weiß und Grün — die Farben der Zutaten entsprachen der italienischen Nationalflagge und gaben der Pizza Margherita ihren Namen.
Ob die Geschichte sich genau so zugetragen hat, ist unter Historikern umstritten. Als Erzählung aber steht sie bis heute für den Moment, in dem aus einem Straßengericht ein nationales Symbol wurde.
Der Weg in die Welt
Im 20. Jahrhundert verbreitete sich die Pizza zunächst in ganz Italien und dann, getragen von italienischen Auswanderern, in Europa, Nordamerika und schließlich rund um den Globus. Unterwegs entstanden zahlreiche regionale Varianten:
- die New York Style Pizza mit ihren großen, faltbaren Stücken,
- die Chicago Deep Dish Pizza in der hohen Form,
- die römische Pizza — dünn und knusprig oder als Pizza al taglio vom Blech,
- und moderne Interpretationen wie die Pizza Fiocco, die ganz ohne Tomate auskommt.
Der Ursprung bleibt Neapel
Trotz unzähliger Variationen gilt die Pizza Napoletana weiterhin als Ursprung der modernen Pizza. Ihre traditionelle Herstellung wurde 2017 von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe anerkannt und steht bis heute für echte italienische Pizzakunst.
Wenn du selbst in diese Tradition einsteigen willst, findest du unter Rezepte mehrere neapolitanische Teige — von der schnellen Direktführung bis zur langen kalten Gare.